Magische Orte Fuerteventura Mythen & Legenden
Mythen & magische Orte auf Fuerteventura
Magische Orte Fuerteventura – das sind keine Sehenswürdigkeiten mit Eintrittskarte, sondern Plätze, die sich erst erschließen, wenn man die Insel selbst erkundet. Kein Schild am Straßenrand erklärt, warum ein Berg heilig war, warum ein Haus am Ende einer Schotterpiste bis heute Gerüchte nährt oder wer die beiden Könige sind, die als Bronzefiguren über dem Pass nach Betancuria stehen.
Wir haben neun Orte ausgewählt, an denen Mythos, Legende und Geschichte aufeinandertreffen. Zu jedem erzählen wir, was belegt ist und was Legende bleibt – und was du siehst, wenn du selbst davorstehst. Die meisten Orte liegen an den Routen unserer 7 Touren mit dem Mietwagen oder gehören zu unseren 39 Geheimtipps. Ein Auto brauchst du fast überall, einen Überblick über die Anbieter findest du in unserer Mietwagen-Übersicht.
1. Montaña de Tindaya der heilige Berg
Die Montaña de Tindaya ist mit rund 400 Metern kein hoher Berg, aber der Berg, um den sich die meisten Geschichten ranken. Die Majos, die ursprünglichen Bewohner der Insel, hielten ihn für heilig. Auf seinem Gipfel haben sie mehrere Hundert Fußabdrücke in den Fels geritzt, sogenannte Podomorphe, jeweils 18 bis 35 Zentimeter lang. Auffällig ist ihre Ausrichtung: Sie zeigen in Richtung Teide und Gran Canaria. Einige Forscher vermuten, der Berg habe als astronomische Uhr für Rituale zu den Sonnenwenden gedient. Was die Gravuren wirklich bedeuten, weiß bis heute niemand. Am Fuß des Berges liegt der Bailadero de las Brujas, der Tanzplatz der Hexen – dort sollen die alten Riten auch nach der Eroberung weitergelebt haben, bis im 18. Jahrhundert in der Nähe eine Ermita gebaut wurde.
Der Berg steht fast allein in der Ebene, und genau das macht seine Wirkung aus. Der Gipfel ist geschützt: Der Aufstieg ist nur auf dem markierten Weg und mit Genehmigung des Cabildo erlaubt, die du vor dem Besuch einholen solltest. Wer nicht hinaufsteigt, versteht den Berg trotzdem – ein Rundblick von der Straße bei La Oliva genügt.
Mehr dazu: Geheimtipp Tindaya, der heilige Berg und Tour 05 durch den Norden.
2. Cofete und die Villa Winter das Haus am Ende der Welt
Am Ende der Schotterpiste, mit dem Gebirge im Rücken und dem offenen Atlantik vor sich, steht ein Haus, um das sich die hartnäckigsten Gerüchte der Insel ranken: die Casa Winter, bekannt als Villa Winter. Sie gehört zum Erbe des deutschen Ingenieurs Gustav Winter, 1893 im Schwarzwald geboren, der die Halbinsel Jandía 1937 pachtete. Erzählt wird, hier habe es einen geheimen Stützpunkt für deutsche U-Boote gegeben, ein Versteck für Nazigrößen, sogar Hitler soll zu Besuch gekommen sein. Belegt ist davon nichts. Historiker fanden keine Spur von U-Boot-Aktivität bei Jandía, die Gewässer vor Cofete sind dafür ohnehin zu flach, und nach den vorliegenden Dokumenten begann der Bau des Hauses 1946 – nach Kriegsende. Winters Sohn, der die Geschichte aufgearbeitet hat, bestreitet die Legenden; sein Vater habe nie in dem Haus gewohnt.
Die Fahrt nach Cofete gehört zu den Erlebnissen, bei denen der Weg Teil des Mythos ist: Schotterpiste, Staub, und nach der letzten Kurve ein endlos langer, fast leerer Strand. Das Haus wirkt aus der Ferne eher wie eine Festung. Ob und wann man hineinkann, ändert sich – schau vor Ort nach. Wichtig vorab: Prüfe den Mietvertrag, denn bei einigen Vermietern sind Schotterpisten ausdrücklich ausgeschlossen und somit nicht versichert. Offline-Karte und Wasser gehören ins Auto.
Mehr dazu: Geheimtipp Mirador und Playa de Cofete und Tour 04, Extrem Cofete.
3. Pájara - die Kirche das Portal, das keiner erklären kann
Die Iglesia de Nuestra Señora de Regla in Pájara wurde zwischen 1687 und 1712 gebaut und sieht aus wie keine andere Kirche der Kanaren. Über dem Eingang zeigt das Steinportal eine Sonne, Schlangen, die sich in den Schwanz beißen, Raubkatzen – Pumas oder Jaguare, sagt man – und Vögel. Das wirkt eher aztekisch oder mexikanisch als europäisch-barock. Woher die Motive stammen, ist nicht abschließend geklärt. Man erzählt sich, ein Mann aus Pájara habe seine Bilder aus der Neuen Welt mitgebracht und den Steinmetzen mitgegeben; Belege dafür gibt es nicht.
Die Reliefs zeigen sich am besten, wenn die Nachmittagssonne schräg auf den Stein fällt. Im Inneren lohnen die Altaraufsätze, die gegen eine Münze beleuchtet werden – Kleingeld mitbringen. Danach geht es in die Gassen von Pájara, auf einen Kaffee: Das Dorf macht keinen Versuch, touristisch zu sein.
Mehr dazu: Geheimtipp Kirche von Pájara, Tour 01 mit Ajuy, Pájara und La Pared und Tour 02, Betancuria Ultimate.
4. Virgen de la Peña die Schutzpatronin in der Schlucht
Fuerteventuras Schutzpatronin ist keine große Kathedralenfigur, sondern eine Statue von nur 21 Zentimetern. Der Legende nach suchten San Diego und einige Hirten den Franziskanerbruder Juan de San Torcaz und fanden ihn in einer Schlucht bei Río Palmas, im Wasser stehend und betend. Die Hirten hatten zuvor ein helles Leuchten in der Gegend gesehen. San Diego brach einen Felsen auf, und heraus trat die weiße Figur der Jungfrau mit dem Kind. Wer sie geschaffen hat, ist unbekannt. Ein Hohlraum auf der Rückseite deutet darauf hin, dass sie in einer Reisebox transportiert wurde, vermutlich per Schiff. Die Ermita steht heute am Ortsrand von Vega de Río Palmas im Landschaftspark Betancuria: ein schlichter weißer Bau aus dem 18. Jahrhundert.
Am dritten Samstag im September ziehen die Majoreros in der Romería zur Ermita. Die Figur trägt dann einen Mantel und wird in der Prozession getragen. Außerhalb der Fiesta ist es ein stiller Ort in einem Tal mit Palmen und Fels – mitten auf einer Insel, die man sich sonst eher kahl vorstellt.
Mehr dazu: Vega de Río Palmas im Detail, Geheimtipp Barranco de las Peñitas und Tour 02, Betancuria Ultimat
5. Kloster San Buenaventura, Betancuria die Ruine der Franziskaner
Mitten in Betancuria, der alten Inselhauptstadt, stehen die Reste des Convento de San Buenaventura. Die Franziskaner gründeten das Kloster 1416 unter dem Schutz von Papst Benedikt XIII. Es wird als erstes Klosterbauwerk des Archipels bezeichnet. Erhalten sind Ruinen mit gotischen Zügen, der Grundriss in Form eines lateinischen Kreuzes und Spuren eines Kreuzgangs. Mit dem Kloster verbindet sich eine der großen Geschichten der Insel: San Diego war der Überlieferung nach zwischen 1441 und 1449 auf der Insel, und die Figur der Virgen de la Peña soll später in dieses Kloster gebracht worden sein. Die nahe Ermita de San Diego wurde nach einem Überfall im Jahr 1593 im 17. Jahrhundert neu aufgebaut; das Kloster selbst wurde 1835 im Zuge der Enteignung kirchlicher Besitztümer aufgegeben und verfiel.
Heute ist die Ruine unrestauriert: Dächer sind eingestürzt, Mauern bröckeln, Pflanzen wachsen durch das Gemäuer. Gleich daneben steht die Ermita de San Diego mit der kleinen Höhle, in der er der Tradition nach gebetet haben soll. Zugang und Öffnungszeiten ändern sich, schau deshalb vor Ort nach und halte dich an die Absperrungen. Betancuria selbst steht seit 1979 als historischer Ortskern unter Schutz.
Mehr dazu: Betancuria im Detail und Tour 02, Betancuria Ultimate.
6. Calderón Hondo und Ajuy wo die Insel entstand
Nicht jeder magische Ort hat eine Legende. Manche haben etwas Älteres: den Anfang der Insel selbst. Der Calderón Hondo bei Lajares ist ein Vulkankegel von rund 278 Metern Höhe, sein Krater etwa 70 Meter tief, entstanden vor ungefähr 50.000 Jahren. Gelbe Schwefelspuren im Krater erinnern daran, dass hier Feuer war. Das Gegenstück liegt an der Westküste: In den Höhlen von Ajuy liegt das älteste Gestein der Kanaren, nach Angaben der Gemeinde Pájara 100 bis 150 Millionen Jahre alt. Die Höhlen selbst hat das Meer in diesen Fels gewaschen. Zwischen beiden Orten liegt die ganze Erdgeschichte der Insel.
Zum Calderón Hondo geht es ab Lajares in etwa 35 Minuten über rund 2,5 Kilometer, zuletzt steiler. Oben reicht der Blick bis Lobos und Lanzarote. In Ajuy führt ein Pfad oberhalb der Klippen zu den Höhlen. Festes Schuhwerk ist Pflicht, und das Wasser bleibt tabu: Die Strömung an der Westküste ist lebensgefährlich, auch wenn das Meer ruhig aussieht.
Mehr dazu: Geheimtipp Calderón Hondo mit Tour 05 sowie Geheimtipp Cuevas de Ajuy mit Tour 01.
7. Sicasumbre der Himmel der Majos
Lange bevor es Teleskope gab, richteten die Majos ihre Rituale am Himmel aus: Auf Tindaya zeigen die Gravuren Richtung Teide, und mancher Forscher sieht im Berg eine Uhr für die Wenden des Jahres. Heute gilt der Himmel über Fuerteventura als einer der klarsten Europas. Die Insel trägt die Auszeichnung der Starlight-Stiftung, zuletzt bis 2029 bestätigt. Der Mirador Astronómico de Sicasumbre, auf rund 300 Metern über dem Meer im Gemeindegebiet von Pájara, gehört zu den Orten, die dafür genannt werden.
Am besten kommst du nach Einbruch der Dunkelheit. Tafeln helfen, die Sternbilder zu erkennen, und nach einigen Minuten ohne Taschenlampe gewöhnen sich die Augen, bis die Milchstraße als weißes Band sichtbar wird. Eine warme Jacke gehört dazu, oben ist es abends kühl und windig. Auch tagsüber lohnt der Blick über den Süden bis zur Halbinsel Jandía.
Mehr dazu: Geheimtipp Mirador de Sicasumbre und Tour 01, die den Sternenhimmel als Finale vorschlägt.
8. La Atalayita das Dorf der Majos
Wer die Majos verstehen will, muss ins Tal von Pozo Negro. Die Ruinen von La Atalayita gelten als eine der wichtigsten archäologischen Stätten der Insel und stehen seit 2007 als Kulturgut unter Schutz. Die Siedlung umfasste mehr als 100 Bauten und bot Platz für bis zu 200 Menschen. Typisch sind die casas hondas, tiefe, mehrlappige Steinhäuser. Keramikscherben und Werkzeuge erzählen vom Alltag, wie die Majos genau gelebt haben, wissen wir aber nur in Bruchstücken. Auch hier ist der Himmel dunkel: La Atalayita gehört zu den Orten, die für die Starlight-Zertifizierung der Insel genannt werden.
Der Besuch ist kostenlos, etwa eine Stunde reicht. Du fährst ab der FV-2 auf die FV-420 Richtung Pozo Negro, die Straße hat Schlaglöcher. Wasser, Sonnenschutz und Hut mitbringen, Schatten gibt es kaum, und Erklärtafeln sind rar – Vorstellungskraft hilft. Ein kleiner Weg führt auf einen Hügel mit Überblick. Wertsachen gehören nicht ins geparkte Auto. Danach lohnt der schwarze Kieselstrand von Pozo Negro.
Mehr dazu: Antigua im Detail und Tour 02, Betancuria Ultimate, die durch Antigua führt.
9. Guise und Ayose die beiden Könige und die Mauer von La Pared
Auf der Passhöhe Richtung Betancuria stehen zwei Bronzestatuen, jede rund vier Meter hoch: Guise und Ayose, die beiden Herrscher Fuerteventuras, als Jean de Béthencourt die Insel eroberte. Laut der Chronik Le Canarien ließen sie sich im Januar 1405 taufen und hießen danach Luis und Alfonso. Die Namen Guise und Ayose überliefert erst der Chronist Abreu Galindo im 17. Jahrhundert. Er berichtet von zwei Reichen, getrennt durch eine Steinmauer quer über die Insel. Sicher dokumentiert sind die Taufnamen und der Streit der beiden, unsicher ist, ob die Mauer je durchgehend stand und wie sich die Reiche genau abgrenzten.
Eine zweite Mauer erklärt den Namen von La Pared, der Wand: Nach Abreu Galindo trennte sie das Reich Ayoses von der Weide auf Jandía. Verbreitet ist die Überlieferung, sie habe auf rund sechs Kilometern den schmalen Isthmus durchquert, von der Playa de Matas Blancas bis nach La Pared, und die Halbinsel Jandía vom Rest der Insel abgetrennt. Reisebeschreibungen berichten von Resten nahe Strand und Dorf, Historiker bleiben vorsichtiger: Sie halten die beiden Mauern auseinander und wissen nicht, ob heute noch Reste erhalten oder untersucht sind.
Der Mirador der beiden Könige liegt an der FV-30, der Halt dauert zehn Minuten und lohnt sich. Im Norden siehst du raue Hügel, im Süden die Schlucht, die hinab nach Betancuria führt, mitten im Landschaftspark Betancuria. Wer La Pared besucht, steht dort an der Stelle, die dem Ort den Namen gab.
Mehr dazu: Geheimtipp Mirador de Guise y Ayose, Geheimtipp La Pared, La Pared im Detail, Tour 01 mit Sonnenuntergang an den Klippen von La Pared und Tour 02 Betancuria – Ultimate.
So verbindest du die Orte
Wer die magischen Orte der Insel an einem Tag verbinden will, findet in unseren Touren den roten Faden: Tour 01 führt zu Ajuy, Pájara und Sicasumbre, Tour 02 nach Betancuria mit dem Kloster, nach Antigua und zum Pass der beiden Könige, Tour 04 nach Cofete, Tour 05 zum Calderón Hondo. Alle 7 Touren im Überblick und alle 39 Geheimtipps findest du bei uns – und wenn du einen Ort kennst, an dem auch für dich etwas Magisches liegt, schreib uns.