Fuerteventura im Sommer
Fuerteventura im Sommer während Europa schwitzt, pfeift hier der Passatwind
Fuerteventura im Sommer — das klingt für viele nach Gluthitze, Sonnenstich und heissem Asphalt. Wer so denkt, verwechselt die Insel mit der Costa Brava. Oder mit Lloret de Mar. Während an den überfüllten Stränden Kataloniens 38 Grad schwüle Mittelmeerhitze herrschen, sitzt man in Costa Calma auf der Terrasse, trinkt seinen Café con Leche — und friert fast ein bisschen im Schatten.
Kein Witz. Der Sommer auf Fuerteventura funktioniert anders. Und wer das einmal erlebt hat, bucht nie mehr im Juli nach Mallorca.
Der Passatwind — der Unterschied der alles macht
Fuerteventura liegt keine 100 Kilometer vom afrikanischen Festland entfernt. Theoretisch also Saharahitze pur. Was die Insel rettet — und was sie im Sommer zu einem der angenehmsten Urlaubsziele Europas macht — ist der Nordostpassat. Ein konstanter Wind, der von der offenen Atlantikseite kommt, keine Feuchtigkeit mit sich bringt und die Luft permanent in Bewegung hält.
Das Ergebnis: Temperaturen zwischen 26 und 29 Grad, praktisch kein Regen, geringe Luftfeuchtigkeit — und eine Brise die man nie ganz loswird. Im Schatten ist es angenehm. Nachts sinken die Temperaturen auf 19 bis 21 Grad — man schläft gut, ohne Klimaanlage. Schwüle kennt die Insel im Sommer kaum. Das ist der entscheidende Unterschied zu Mallorca, Ibiza, Kroatien oder der Türkei, wo die Hitze ab Juli klebt und drückt.
Was der Sommer auf Fuerteventura bedeutet
Sonne: Elf Stunden täglich, kaum Wolken. Das Licht ist intensiv — Sonnenschutz ist kein optionaler Luxus sondern Pflicht, auch wenn es sich durch den Wind nicht so heiss anfühlt wie es ist.
Wasser: Der Atlantik hat im Juli und August seine angenehmsten Temperaturen des Jahres — um die 22 Grad. Kein Neoprenanzug, kein Zögern beim Reingehen. Die Wellen sind sanfter als im Winter, ideal für Schwimmer und Anfänger im Surfen.
Wind: Die stärkste Windperiode des Jahres. Für Windsurfer und Kitesurfer ist das die Hochsaison — die Weltcups finden im Juli und August statt, René Egli und ION Club an der Sotavento-Lagune laufen auf Hochbetrieb. Wer ruhige Strände sucht, weicht auf die Lagunen von El Cotillo oder den geschützten Playa del Castillo aus.
Calima: Ein bis zweimal im Sommer kommt er — der Wüstenwind aus der Sahara der den Passatwind zurückdrängt. Dann steigen die Temperaturen auf bis zu 40 Grad, der Himmel wird ockergelb, feiner Sandstaub liegt in der Luft. Dauert meist ein bis zwei Tage. Danach ist der Spuk vorbei und der Passatwind ist zurück. Nicht schön — aber selten und kurz.
Sommer auf Fuerteventura vs. Mittelmeer — ein ehrlicher Vergleich
Wer im August zwei Wochen nach Lloret de Mar fährt, bekommt: 38 Grad, 70 Prozent Luftfeuchtigkeit, überfüllte Strände, laute Nächte und Temperaturen die auch um Mitternacht noch über 28 Grad liegen. Schlafen mit offenem Fenster? Nicht ohne Klimaanlage.
Wer im August zwei Wochen nach Fuerteventura fährt, bekommt: 27 Grad, trockene Luft, breite Strände mit echtem Sand, einen konstanten Wind der alles erträglich macht — und Nächte die man ohne Schwitzen schläft. Kein Stau, kein Gedränge, kein Stadtlärm.
Das ist kein Werbetext. Das ist Physik. Die Kanaren liegen im Einflussbereich des Kanarenstroms — kaltes Tiefenwasser aus dem Atlantik das die Küstentemperaturen dämpft. Kombiniert mit dem Passatwind ergibt das ein Klima das sich trotz der geografischen Nähe zu Afrika nie überhitzt.
Was im Sommer besonders gut funktioniert
Wassersport — Die beste Zeit für Windsurfen und Kitesurfen. Wer das lernen oder verbessern will, bucht jetzt. ION Club und René Egli an der Sotavento-Lagune haben im Sommer das kompletteste Kursangebot des Jahres.
Sonnenuntergang-Touren — Die langen Sommerabende sind ideal für die Westküste. El Cotillo, La Pared, Cofete — wenn die Sonne um 21:30 Uhr ins Meer fällt und den Himmel orange färbt, versteht man warum Einheimische den Sommer ihrer Insel lieben.
Wandern im Norden — Der Calderón Hondo, die Dünen von Corralejo, die Küste bei El Cotillo — im Sommer morgens um 7 oder 8 Uhr ist es noch frisch, das Licht perfekt, die Parkplätze leer. Mittags besser in die Lagunen wechseln.
Schwimmen in den Naturpools — Die Lagunen von El Cotillo haben im Sommer ihr wärmstes Wasser. Türkis, flach, windgeschützt. Familien mit Kindern — das ist euer Spot.
Was man im Sommer wissen muss
Sonnenschutz ernst nehmen. Der Wind täuscht. Man fühlt sich nicht so heiss wie man ist — und verbrennt trotzdem in einer halben Stunde. LSF 50, Kopfbedeckung, Wasser. Kein Verhandeln.
Mittagsstunden meiden. Zwischen 13 und 16 Uhr ist die Sonne am stärksten. In dieser Zeit gehört man in den Schatten, ins Wasser der Lagunen — oder in eine Bar mit Klimaanlage und einer kalten Cerveza.
Calima-Tage akzeptieren. Wenn der Calima kommt, ist es kein schöner Tag draussen, aber am Meer fällt er nicht strk ins Gewicht & er geht wieder. Und danach ist der Himmel unglaublich klar.
Wind einplanen. Der Passatwind weht im Sommer am stärksten — besonders nachmittags. Schirme am Strand halten schlecht. Windschutz suchen, nicht kämpfen, lieber windsurfen oder kiten.
Unser Fazit — warum wir den Sommer lieben
Wir leben seit über 30 Jahren hier. Der Sommer ist die Jahreszeit die am stärksten pola-risiert — und die am meisten überrascht. Wer mit dem Bild von Gluthitze ankommt, fährt mit dem Bild von angenehmen Abenden, türkisblauem Wasser und einem Wind zurück der nie aufhört. Fuerteventura im Sommer ist nicht für jeden — wer absolute Windstille will, ist im Winter besser dran. Aber wer Wasser, Sonne, frische Luft und weite Strände sucht, findet das hier besser als irgendwo sonst in Europa.
Und deutlich besser als in Lloret de Mar.