Betancuria frueh morgens Fuerteventura
Betancuria frueh morgens besuchen
Es gibt Orte die sich verändern je nachdem wann man kommt. Betancuria ist einer davon. Wer um 11 Uhr morgens eintrifft, steht zwischen Reisebussen und Gruppen die ihrer Reiseleitung hinterherlaufen, wartet vor der Kirche bis die Gruppe vor einem fertig fotografiert hat, und sucht einen freien Tisch im Patio. Wer um 9 Uhr da ist — oder früher — hat Betancuria für sich. Die gepflasterten Gassen gehören einem allein. Die Kirche ist geöffnet und leer. Die Stille ist vollständig. Das ist kein Zufall und kein Glück. Das ist Planung.
Wir leben seit über dreißig Jahren auf Fuerteventura. Betancuria kennen wir in allen Tageszeiten, zu allen Jahreszeiten, bei Regen und bei Sonne. Was folgt ist das was wir wissen — und was kein Reiseführer schreibt.
Warum Betancuria überhaupt existiert und warum es hier steht
1404 landet Jean de Béthencourt mit einer normannischen Söldner- und Siedlergruppe auf Fuerteventura. Die Küste ist zu gefährlich — Piraten, Überfälle, kein Schutz. Also wählt er das Inselinnere. Ein Tal hinter den Bergen, fernab vom Meer, umgeben von Hügeln die jeden Angreifer verlangsamen. Betancuria wird gegründet — und bleibt 430 Jahre lang die Hauptstadt der Insel.
430 Jahre. Zum Vergleich: die Vereinigten Staaten existieren seit weniger als 250 Jahren. Als Betancuria seine Hauptstadtfunktion verlor — 1834 zunächst an Antigua, dann an Puerto del Rosario — hatte es bereits mehr Geschichte erlebt als die meisten europäischen Städte die heute Touristen anziehen. Piratenangriffe, Plünderungen, Wiederaufbau, Dürren, Epidemien, Kolonialherrschaft, Unabhängigkeit. Das alles ist in den Mauern dieser 200-Einwohner-Ortschaft gespeichert. Man muss nur früh genug da sein um es zu spüren.
Was man sieht wenn man früh kommt
Die Iglesia de Santa María de Betancuria ist das älteste und wichtigste Gebäude des Ortes — eine der bedeutendsten Kirchen der Kanarischen Inseln, errichtet im 15. Jahrhundert, zerstört bei einem Piratenangriff 1593, wiederaufgebaut im 17. Jahrhundert. Was übrig blieb vom Originalgebäude: der Glockenturm, Teile der Säulen, und eine Würde die kein Wiederaufbau nehmen kann. Im Inneren: ein barocker Hochaltar, Holzdecken im Mudéjar-Stil, und eine Stille die sich anders anfühlt als die Stille draußen. Früh morgens ist die Kirche geöffnet, leer, und man kann sich Zeit nehmen.
Die Ruinen des Convento de San Buenaventura liegen am Ortsrand — das erste Franziskanerkloster der Kanarischen Inseln, gegründet im 15. Jahrhundert. Heute sind es nur noch Mauern. Aber es sind Mauern die 600 Jahre alt sind, und die in der frühen Morgenstille anders klingen als mittags wenn Reisegruppen vorbeidefilieren. Direkt daneben: das Museo Arqueológico de Betancuria — Informationen über die Urbevölkerung der Insel, die Majos, und die frühe Kolonialgeschichte. Di–Sa geöffnet.
Das Casa Santa María — ein Kolonialgebäude aus dem 17. Jahrhundert, das heute als Kulturzentrum mit kleinem Museum, Handwerksläden und Restaurant genutzt wird — ist eines der schönsten Beispiele kanarischer Kolonialarchitektur auf der gesamten Insel. Der Innenpatio mit seinen Holzbalkonen, dem gepflasterten Boden und dem Brunnen in der Mitte ist der stillste Ort von Betancuria. Früh morgens gehört er einem allein.
Die Fahrt nach Betancuria Teil des Erlebnisses
Betancuria erreicht man auf der FV-30 — einer der schönsten Bergstraßen der Insel. Von Costa Calma kommend fährt man zunächst durch das Inselinnere Richtung Antigua, dann westlich auf die FV-30 hinauf. Die Strasse windet sich durch Täler und über Pässe, die Landschaft wechselt von der trockenen Wüstenebene zu rötlichem Vulkangestein und vereinzelten Palmentälern. Kurz vor Betancuria passiert man die Bronzestatuen von Guise y Ayose — die letzten beiden Maho-Könige der Insel, vier Meter hoch, direkt am Straßenrand — und gleich danach den Mirador Morro Velosa, entworfen von César Manrique, mit einem Panorama das fast die gesamte Insel zeigt. Das ist der richtige Moment für eine erste Pause — bevor man nach Betancuria “ hinuntersteigt „.
Frühstück in Betancuria der richtige Tisch
Das Café im Casa Santa María öffnet früh und hat den schönsten Innenpatio des Ortes — Cortado, frisches Brot, Blick auf die Holzbalkone. Alternativ: das Restaurante Valtarajal am Dorfplatz, kanarische Küche, ehrliche Küche, direkt am besten Aussichtspunkt des Ortes. Wer früh da ist bekommt den Tisch am Fenster.
Wichtig: vor 10:30 Uhr in Betancuria ankommen. Danach kommen die Busse.
Casa
Santa Maria
Erfahre Mehr
Restaurante Valtarajal
Erfahre Mehr
Betancuria als Teil einer größeren Tour
Betancuria ist kein Ziel für sich allein — es ist der Höhepunkt einer Innenland-Route die von Costa Calma aus einen ganzen Tag füllt. Von Gran Tarajal über Tiscamanita und Antigua nach Betancuria, dann zurück über Pájara und Ajuy nach La Pared. Das ist unsere Tour 02 — Betancuria Ultimate: die Route die wir empfehlen wenn jemand nur einen einzigen Tag hat der nicht am Strand stattfindet. Früh starten, alles ist möglich.
Alle Infos zu Betancuria: → Geheimtipp Betancuria by Locals