Drei Türme, ein Museum und ein Walskelett die Nordwestspitze Fuerteventuras
Faro de Tostón & El Cotillo — an der Punta Banella, vier Kilometer nördlich von El Cotillo. Der rot-weiss gestreifte Leuchtturm ist das bekannteste Wahrzeichen des Nordens: weithin sichtbar, architektonisch einzigartig — nicht ein Turm, sondern drei, aus drei verschiedenen Epochen. Drumherum: ein Fischereimuseum, ein alter Wehrturm, Kalköfen, ein Walskelett und eine Küstenlandschaft aus erkalteter Lava die ins Meer fällt.
Wer von El Cotillo der Strasse nach Norden folgt, sieht ihn schon von weitem: der rot-weiss gestreifte Turm ragt aus einem flachen Lavafeld heraus, dahinter nichts als Atlantik. Das Ensemble des Faro de Tostón ist mehr als ein Leuchtturm — es ist ein offenes Freilichtmuseum der Küstengeschichte Fuerteventuras, das man in einer Stunde zu Fuss erkunden kann.
Der Leuchtturm drei Generationen, ein Ort
Der Faro de Tostón ist einer der kuriosesten Leuchttürme der Kanarischen Inseln — nicht wegen seiner Höhe, sondern wegen seiner Geschichte. Drei Türme stehen nebeneinander, jeder eine eigene Epoche:
Erster Turm, 1887 — ein ebenerdiges rotes Wärterhäuschen mit angebautem Turmstumpf von gerade sechs Metern Höhe. Zu niedrig, kaum sichtbar — Schiffe und Fischer konnten das Leuchtfeuer bei schlechtem Wetter kaum erkennen. Steht noch heute, das kleinste der drei Bauwerke.
Zweiter Turm, 1950er Jahre — der Nachfolger: achteckig, rund 15 Meter hoch, weiss verputzt. Die ungewöhnliche Form erinnert an eine übergrosse Schachfigur. Heute steht nur noch sein Grundbau — der obere Teil wurde nicht erhalten.
Dritter Turm, 1985/86 — der aktive Leuchtturm: rot-weiss gestreift, knapp 38 Meter hoch, weithin sichtbar. Er bildet zusammen mit dem Leuchtturm auf der Isla de Lobos und dem Faro de Punta Pechiguera auf Lanzarote ein Navigationsdreieck für die Meerenge zwischen den Inseln — eine der meistbefahrenen und tückischsten Passagen des Archipels.
Das Gelände ist frei zugänglich. Ein Aufstieg auf den Turm ist nicht möglich.
Museo de la Pesca Tradicional
Im Erdgeschoss des dritten Turms ist das kleine Fischereimuseum untergebracht — der einzige geschlossene Ausstellungsraum der Anlage. Es dokumentiert den traditionellen Fischfang auf Fuerteventura und den Kanarischen Inseln: welche Fischarten in diesen Gewässern heimisch sind, wie die Fischer früher arbeiteten, welche Bedeutung das Meer für El Cotillo hatte — damals ein Ort von 30 Menschen, heute knapp 1.500 Einwohner.
Geöffnet Dienstag bis Samstag, 10:45–17:00 Uhr. Eintritt frei. Ein 800-Meter-Lehrpfad führt von der Anlage durch die Küstenlandschaft — mit Informationstafeln zu Geologie und Fossilfunden. Fuerteventura gilt als die älteste der Kanarischen Inseln, und die Sandsteinflächen rund um den Leuchtturm belegen das eindrücklich.
Zurück im Ort, direkt am neuen Hafen: der Torre del Tostón, ein achteckiger Verteidi-gungsturm aus dem Jahr 1743. Errichtet zum Schutz vor Piratenangriffen — zu spät, wie sich herausstellte. Die Küste war bereits mehrfach geplündert worden bevor der Turm fertig war. Er bot Platz für 12 Soldaten, hatte eine Zugbrücke, eine Pulverkammer und eine eigene Zisterne. Der Graben der ursprünglich geplant war wurde nie gebaut.
Heute gut erhalten und besichtigbar — im Inneren befindet sich ein kleines Tourismusbüro. Die Zugbrücke ist original. Der Ausblick vom Turm über den Playa del Castillo und den alten Hafen ist bei Sonnenuntergang aussergewöhnlich.
An der Ostseite des Turms liegt eine grosse, gut erhaltene Zisterne — ein Absetzbecken das Regenwasser sammelte und klärte. Sie liegt auf einem unterirdischen Wasserlauf Richtung Meer: kein Zufall, dass die kanarischen Palmen am Hafen unten so prächtig gedeihen.
Das Walskelett
Seit 2015 steht direkt neben dem Torre del Tostón ein Walskelett auf drei Meter hohen Säulen — ein weiblicher Cuvier-Schnabelwal, 5,75 Meter lang. Das Tier strandete 2004 vor Majanicho, einem kleinen Fischerort zwischen El Cotillo und Corralejo, im Zuge eines militärischen Manövers (Majestic Eagle 2004). Die Massenstrандung mehrerer Meeressäuger damals führte zum Verbot militärischer Übungen innerhalb von 50 Meilen um die Kanarischen Inseln.
Das Skelett ist eines von vier Walskeletten die auf Fuerteventura ausgestellt sind — die anderen in Puerto del Rosario, Salinas del Carmen und Morro Jable.
Kalköfen & alter Hafen
Am alten Hafen von El Cotillo stehen noch drei gut erhaltene Kalköfen — das wichtigste Exportgut des Ortes war einst gebrannter Kalk, den die Einwohner selbst abbauten und in diesen Öfen brannten. Vom alten Hafen aus wurde er verschifft. Ein stiller Zeuge einer Zeit in der El Cotillo noch ein echter Arbeitshafen war.
Rund 200 Meter nördlich der kleinen Ortskirche liegt der alte Steinbruch — heute eine Mulde im Gelände die in der Regenzeit zum kleinen Teich wird, danach zur grünen Wiese. Der Pastor von El Roque treibt seine Ziegen täglich dort vorbei zum Grasen.
Anfahrt & Logistik
Faro de Tostón: Von El Cotillo der Strasse nach Norden folgen, Schild Faro del Tostón. Asphaltierte Strasse bis zur Anlage, Parkplatz vorhanden.
Torre del Tostón & Walskelett: Im Ortskern von El Cotillo, direkt am neuen Hafen — zu Fuss vom Parkplatz im Ort.
Ab Costa Calma: FV-2 → FV-1 → FV-10 → FV-109 nach El Cotillo, dann Richtung Norden. Ca. 75 Minuten.
Tipp: Gezeitenstand prüfen vor der Fahrt – Gezeitenkalender für El Cotillo https://de.wisuki.com/tide/2754/el-cotillo
Gastronomie in El Cotillo
La Vaca Azul — am alten Hafen, mit direktem Blick aufs Wasser. Frischer Fisch, faire Preise. Eine der beständig zuverlässigsten Adressen des Ortes.
El Callao — überraschend stilvolles Lokal mit durchgehender Glasfront und zwei Stockwerken. Fisch und kanarische Klassiker, Weisswein aus Lanzarote, Sonnenuntergang inklusive.
Tapas Bar Los Cazaderos — Familienbetrieb, rustikale Seitenstrasse, sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Besonders bei Einheimischen beliebt.
Chiringuito El Muellito — direkt am Hafen, Meeresfrüchte, einfach und gut. Für eine schnelle Pause nach den Lagunen ideal.
Bagus — Surfcafé der jungen Generation, Café con Leche morgens, Sundowner nachmittags. Entspannte Stimmung, kaltes Bier, guter Blick.
Marameo — die beste neapolitanische Pizza im Norden der Insel. Über 50 Sorten, dünner Teig, frische Zutaten, Inhaber Chiara und Marco. Kleines Lokal — früh kommen oder auf einen Tisch warten.
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Praktisches
Lage: Punta Banella · 4 km nördlich von El Cotillo · Gemeinde La Oliva
Anfahrt ab Costa Calma: FV-2 → FV-1 → FV-10 → FV-109 · ca. 75 Min.
Parken: Kostenlos an der Anlage des Leuchtturms
Museo de la Pesca: Di–Sa 10:45–17:00 Uhr · Eintritt frei
Leuchtturm: Gelände frei zugänglich · kein Aufstieg möglich
Lehrpfad: 800 Meter · keine Ausrüstung nötig · Wasser mitbringen
Beste Zeit: Früh morgens oder zum Sonnenuntergang
Notruf: 112
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