Zwei Bronze-Giganten auf dem Bergpass die letzten Könige Fuerteventuras wachen über die Insel
Geheimtipp Mirador de Guise y Ayose Fuerteventura — auf dem höchsten Punkt der FV-30, direkt über Betancuria. Zwei über vier Meter hohe Bronzestatuen thront auf einer windigen Bergscharte und blicken über ihr ehemaliges Königreich. Der Geheimtipp Mirador de Guise y Ayose Fuerteventura ist einer der ikonischsten und gleichzeitig unbekanntesten Fotopunkte der Insel — fast immer windig, fast immer leer, fast immer beeindruckend.
Kein Eintritt, kein Café, keine Führung — nur zwei Riesen aus Bronze, ein Doppel-Panorama über die gesamte Inselmitte und der Passatwind der auf dieser ungeschützten Bergscharte keine Gnade kennt.
Guise und Ayose — die letzten indigenen Könige
Bevor die normannisch-spanischen Eroberer zu Beginn des 15. Jahrhunderts auf Fuerteventura landeten, war die Insel durch eine lange Steinmauer — die La Pared — in zwei rivalisierende Königreiche der Majos, der Ureinwohner, geteilt:
König Guise herrschte über das nördliche Königreich Maxorata — den gesamten Norden und die Inselmitte bis zur Pared. König Ayose regierte das südliche Königreich, das die gesamte Halbinsel Jandía umfasste. Da sich die beiden Herrscher untereinander uneins waren, hatten die Eroberer leichtes Spiel. 1405 war die Insel vollständig unter europäischer Kontrolle.
Die Bronzestatuen wurden vom kanarischen Bildhauer Emiliano Hernández geschaffen. Sie stehen heute friedlich nebeneinander auf dem Pass über Betancuria — dem geografischen Herz der Insel die sie einst regierten — und blicken als Wächter über ihr Land.
Das Doppel-Panorama
Das Besondere an diesem Pass ist die Lage auf der Bergscharte — links und rechts öffnen sich zwei komplett unterschiedliche Welten:
Blick nach Süden — hinab in das geschützte, grüne Tal mit den Palmen und weissen Häusern von Betancuria, der ehemaligen Hauptstadt der Kanarischen Inseln. Das Tal liegt tief und still, während oben auf dem Pass der Wind pfeift.
Blick nach Norden — über das weite, wüstenhafte Hügelland der Inselebene Richtung Antigua und Tefía. Bei sehr klarer Sicht erahnt man im Dunst ganz im Norden die Dünen von Corralejo.
Blick nach Osten — drehen und das Gegenteil: das langgezogene, tief eingeschnittene und erstaunlich fruchtbare Hochtal von Vallebrón mit kleinen weissen Bauernhäusern, Terrassen und Steinmauern. Ein traditionelles Bild der Insel das kaum noch jemand so sieht — grün nach den Regenfällen, ockergelb im Sommer, immer ruhig.
Wanderweg nach Betancuria
Direkt an den Statuen startet ein offizieller Wanderweg der zu Fuss hinab in den historischen Ortskern von Betancuria führt. Wer sein Auto oben stehen lässt und die Schlucht hinunterläuft, erlebt Betancuria von der schönsten Seite — von oben kommend, durch Fels und Palmen. Rückweg entweder zu Fuss oder per Mitfahrgelegenheit, da kein Rundweg.
Kombination mit Mirador de Morro Velosa
Nur wenige hundert Meter weiter die FV-30 hinauf liegt der Mirador de Morro Velosa — von César Manrique entworfen, mit verglaster Cafeteria und dem besten 360-Grad-Panoramablick der gesamten Insel. Die beiden Aussichtspunkte sind eine perfekte Kombination: erst die Könige, dann der Panoramablick. Und direkt am Mirador de Morro Velosa: frischer Queso Majorero von der Granja la Villa — der beste Käsekauf der Insel.
Granja la Villa
Queso Marojero
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Die Infotafeln — Geschichte zum Lesen
An den Sockeln der beiden Statuen stehen Infotafeln mit archäologischen Hintergründen zur Lebensweise der Majos — ihrer Ernährung, ihren Werkzeugen, ihrer Sprache, ihren Grabstätten. Wer sich fünf Minuten Zeit nimmt, versteht warum diese Insel mehr Geschichte trägt als man ihr ansieht. Die Majos lebten hier seit dem 1. Jahrhundert vor Christus — über tausend Jahre bevor die Europäer kamen.
Anfahrt
Ab Corralejo: FV-1 → FV-10 → FV-30 Richtung Betancuria — Statuen auf dem Bergpass kurz vor Betancuria. Ca. 50 Minuten.
Ab Costa Calma: FV-2 → FV-20 → FV-30 Richtung Betancuria. Ca. 45 Minuten.
Ab Puerto del Rosario: FV-20 → FV-30. Ca. 30 Minuten.
Praktisches
Lage: Bergpass FV-30 · direkt über Betancuria · Gemeinde Betancuria
Parken: Kleiner kostenloser Parkplatz direkt an den Statuen · oft voll · kurzes Kommen und Gehen
Wind: Extrem stark und böig auf dem Pass · Autotüren festhalten · Jacke Pflicht
Wanderweg: Start direkt an den Statuen · hinab nach Betancuria · kein Rundweg
Kombination: Mirador de Morro Velosa 300 m weiter · Queso Majorero Granja la Villa
Anfahrt ab Costa Calma: ca. 45 Min. · FV-2 → FV-20 → FV-30
Anfahrt ab Corralejo: ca. 50 Min. · FV-1 → FV-10 → FV-30
Eintritt: Frei
Notruf: 112
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