Das grüne Tal im Inselinneren und eine Kirche die niemand erklärt
Pájara — Verwaltungssitz der grössten Gemeinde des Südens, eingebettet in ein Tal zwischen 600 Meter hohen Bergen, 25 km von Costa Calma. Und ein Kirchenportal das Historiker bis heute rätseln lässt.
Pajara
Pájara liegt abseits der Küste und abseits des Tourismus — und genau das ist sein Glück. Der Ort lebt nicht vom eigenen Tourismus, sondern von den Steuereinnahmen der Hotelbetten in Costa Calma, Jandía und Morro Jable. Das Ergebnis: makellos gepflegte Grünanlagen, schöne Kanarenhäuser, riesige schattenspendende Bäume auf dem Kirchplatz — ohne Souvenirläden, ohne Gedränge. Wer Pájara besucht, tut das bewusst.
Die Annäherung kommt aus einer anderen Richtung als Betancuria — weniger eingeschlossen, weniger vertikal. Die Strasse löst sich aus dem Inselinneren und fällt in offenere, sanfter gewellte Landschaften ab. Pájara erscheint nicht als Einschnitt, sondern als leichte Verdichtung entlang der Strecke. Erst wenn man tiefer einfährt, stabilisiert sich der Raum — und dann steht man vor der Kirche.
Geschichte
Name — Pájara leitet sich vom andalusischen Begriff für Rebhuhn ab. Früher lebten viele Rebhühner im Barranco de Pájara. Erste urkundliche Erwähnung: 1612.
Landwirtschaftliches Herz des Südens — im 17. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung durch florierende Landwirtschaft stark. Getreide und Cochenille — der rote Farbstoff der aus Läusen auf Feigenkakteen gewonnen wird — wurden von hier auf andere Kanarische Inseln und die iberische Halbinsel exportiert. Die wohlhabenden Landbesitzer hinterliessen ihre Spuren: massive Steinmauern, grosse Holzbalkone — die Hidalgo-Tradition ist noch heute in der Bausubstanz älterer Häuser ablesbar.
Verwaltungssitz der grössten Gemeinde — die Gemeinde Pájara ist die flächenmässig grösste der sechs Gemeinden Fuerteventuras. Sie umfasst die gesamte Halbinsel Jandía inklusive 150 Kilometer Küste. Der Verwaltungssitz sitzt im Inselinneren, ruhig und zurückgenommen, während die Ferienorte die Kasse füllen.
Die Kirche — das Rätsel aus Stein
Iglesia Nuestra Señora de la Regla — Baubeginn vor 1687, das Datum ist am Portal eingraviert, fertiggestellt 1733. Auf den ersten Blick eine schlichte weissgetünchte Dorfkirche. Dann sieht man das Portal: Pumas, Schlangen die sich in den Schwanz beissen (Ouroboros), Sonnenscheiben, Federschmuck, indianische Gesichter. Steinmetzarbeiten die man eher in einem Aztekenmuseum vermutet als auf den Kanaren.
Historiker rätseln bis heute über den genauen Ursprung. Die wahrscheinlichste Theorie: Ein reicher Rückkehrer aus Lateinamerika finanzierte den Bau und brachte Kunsthandwerker oder Entwürfe mit. Eine andere: der unbekannte Künstler inspirierte sich an Iconologia, dem Standardwerk der Renaissancekunst von Cesare Ripa (1593) — darin empfahl Ripa ausdrücklich die Verwendung indianischer Motive. Das Rätsel ist nicht vollständig gelöst. Das Portal bleibt einzigartig auf den Kanaren.
Im Inneren: zwei parallele Kirchenschiffe, kunstvolle Holzschnitzereien, ein goldener Barockaufsatz im Mudéjar-Stil. Gegen eine kleine Aufwandsentschädigung schalten die Kirchenwächter die Scheinwerfer ein. Öffnungszeiten: täglich 11–13 Uhr und 17–19 Uhr. Eintritt frei.
Kurioses Detail: die Schutzheilige Virgen de la Regla wird auch in Havanna und in der kubanischen Stadt Regla als Patronin verehrt — die kulturelle Verbindung zwischen den Kanaren und Kuba reicht Jahrhunderte zurück.
Der Ort
Noria — direkt am Kirchplatz steht ein restauriertes Wasserrad aus dem 19. Jahrhundert. Früher mit Eseln oder Kamelen betrieben um Wasser für die Felder zu fördern — eines der stimmungsvollsten Fotomotive im Inselinneren.
Plaza de Nuestra Señora de la Regla — der Kirchplatz mit riesigen alten Bäumen, Bougainvillea, Bänken. Mittags spielen die Kinder hier, nachmittags sitzen die Einheimischen vor der Bar. Kein Eintrittspreis, keine Öffnungszeiten.
Seitenstrassen hinter der Kirche — wer 10 Minuten durch die Gassen schlendern will, findet die Hidalgo-Häuser: massive Steinmauern, alte Holzbalkone, Calle de la Cruz. Kein Touristenpfad — einfach laufen.
Espacio de las Artes Pepe Dámaso — im restaurierten ehemaligen Pfarrhaus des Ortes (Casa del Cura). Pepe Dámaso gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler der Kanaren, enger Wegbegleiter von César Manrique. Über 60 Werke zu kanarischer Identität, Migration und der Verbindung zu Afrika. Das erste Museum das seinen Werken gewidmet ist. Mo–Fr 09–13 Uhr, Eintritt kostenlos.
Wanderung Palmeral Madre del Agua
Einer der geheimeren Wandertipps im Süden: ab dem Weiler Buen Paso (ca. 4 km nördlich von Pájara Richtung Ajuy) führt ein Rundweg von 4,8 km in den Barranco de Ajuy hinein — zum Palmeral Madre del Agua, einem der wenigen Naturquellen der Insel. Rund 50 uralte Kanarische Palmen, Schilf, Weiden, seltene Vogelarten. Leicht bis mittelschwer, ca. 1,5 Stunden. Wer will, verlängert bis zu den Piratenhöhlen von Ajuy.
Sehenswert in der Umgebung
Mirador de Sicasumbre — liegt direkt auf der Anfahrt nach Pájara (FV-605, km 11–12). Einer der besten Aussichtspunkte des Südens mit 360-Grad-Blick über die Insel. Nachts einer der dunkelsten Sternenhimmel der Kanaren — keine Infrastruktur, Wasser und Jacke mitbringen.
Ajuy & Cuevas de Ajuy — nur wenige Minuten westlich. Schwarzer Strand, riesige Meereshöhlen die 1987 zum Naturdenkmal erklärt wurden, Hornos de Cal, versteinerte Dünen. Die Felsen rund um Ajuy sind über 100 Millionen Jahre alt — ältester Ort der Kanaren. Alle Details auf unserer Ortsseite Ajuy.
Arco de las Peñitas — riesiger natürlicher Felsbogen aus Granit im Barranco de las Peñitas. Anfahrt: FV-621 Richtung Pájara, nach ca. 4,5 km rechts auf FV-627 Richtung Buen Paso bis zum Wanderparkplatz (GPS: 28.4026, -14.1032). Von dort ca. 20–30 Min. zu Fuss. Festes Schuhwerk Pflicht.
Presa de las Peñitas & Ermita de la Peña — historische Naturstein-Staumauer aus den 1830er Jahren mit der winzigen Felskapelle direkt im Stein. Der Stausee spiegelt die Felsklippen — eines der unerwarteten Naturwunder des Inselinneren.
Betancuria — ca. 15 km nördlich. Die ehemalige Hauptstadt der Insel, gegründet 1404, komplett denkmalgeschützt. Casa Santa Maria mit Innenhof und sehr gutem Restaurant. Museo Arqueológico kostenlos. Alle Details auf unserer Ortsseite Betancuria.
Centro de Interpretación de los Molinos (Tiscamanita) — ca. 15 Min. östlich. Museum zu den historischen Windmühlen Fuerteventuras mit Gofio-Herstellung — das geröstete Getreidemehl das bis heute Grundnahrungsmittel der Kanaren ist. Frisch probieren möglic
Gastronomie in Pajara
Restaurante Casa Isaitas — die erste Adresse im Ort, in einem traditionellen Kanarischen Landhaus mit zwei Innenhöfen. Fleisch nach Wahl direkt in der Küche aussuchen, Ziegengulasch (Carne de Cabra), hausgemachte Eintöpfe. Herzlich, familiär, authentisch.
Ca Luisa — direkt an der Kirche, perfekt für verspätetes Frühstück oder Kaffee nach der Wanderung. Hausgemachte kanarische Kost in modernem Ambiente.
El Choso — kleine Bar-Cafeteria nahe der Dorfapotheke. Tapas, frische Burger, Desserts. Freundlich und ohne Rummel.
Bar La Pausa — am Kirchplatz sitzen und das Treiben beobachten. Leche y Leche bestellen: Espresso mit normaler Milch und süsser Kondensmilch — typisch kanarisch.
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Touren um Pajara
Tour Ajuy & La Pared — von Pájara sind es nur wenige Minuten bis nach Ajuy an der Westküste: schwarzer Strand, Piratenhöhlen, der älteste Ort der Kanaren. Weiter nach La Pared: Surfspot, schwarze Klippen, einer der schönsten Sonnenuntergänge des Südens.
Tour Betancuria Ultimate — nördlich über Betancuria (erste Hauptstadt der Insel), Mirador de Morro Velosa auf 669 m, Casa Santa Maria. Einer der vollständigsten Tagesausflüge ins Inselinnere.
Praktisches
Lage: Inselinnere Südwest · ca. 25 km von Costa Calma · FV-605 ab La Pared oder FV-30 ab Tarajalejo
Anfahrt: FV-2 Richtung Norden, Abzweigung FV-605 Richtung Pájara / La Pared · ca. 40–50 Min. ab Costa Calma · Mirador de Sicasumbre liegt auf dem Weg
Parken: Kostenlos hinter der Kirche oder an der Hauptstrasse
Supermarkt: Spar im Ort — letzte günstige Möglichkeit vor Betancuria und den Bergen
Tankstelle: Im Ort — vor der Weiterfahrt ins Inselinnere tanken
Freibad: Kommunales Süsswasserschwimmbad, 8 Bahnen à 25 m
Kirche: täglich 11–13 Uhr und 17–19 Uhr · Eintritt frei · Scheinwerfer gegen kleine Spende
Museum Pepe Dámaso: Mo–Fr 09–13 Uhr · kostenlos
Siesta: 13–16:30 Uhr fast alles geschlossen
Patronatsfest: ca. 2. Juni — Musik, Prozessionen, echtes Dorffest
Notruf: 112
Shopping auf dem Rückweg
Wer von Pájara zurück nach Costa Calma fährt — ein kurzer Stopp im CC El Palmeral lohnt sich. 1STone Art & Design mit handgefertigtem Schmuck aus Lava und Edelsteinen (Local 8), und die Gio-Leo Boutique für Mode und Accessoires (Local 10–12). Beide direkt nebeneinander.
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