Playa de Cofete
Westküste Fuerteventura · Halbinsel Jandía · Naturpark Jandía · Gemeinde Pájara
Vierzehn Kilometer wilder Atlantik, kein Hotel, kein Sonnenschirm, kein Handyempfang — und dahinter das Jandía-Massiv mit dem höchsten Berg der Insel.
Es gibt Strände auf Fuerteventura, die man kennt. Und dann gibt es die Playa de Cofete. Vierzehn Kilometer feiner heller Sand an der Westküste der Halbinsel Jandía — komplett naturbelassen, ohne jede touristische Infrastruktur, eingerahmt von der Bergkette des Jandía-Massivs, das sich bis auf 807 Meter erhebt. Der Strand ist so weit, dass man an einem Strandende nicht sieht, wo das andere beginnt. Und er ist fast immer leer. Wer hierherkommt, hat eine holprige Schotterpiste auf sich genommen, eine Serpentinenfahrt über einen Bergpass — und das alles für einen Strand, der genau das belohnt: absolute Ursprünglichkeit.
Der Strand
Feiner heller Sand, bis zu 50 Meter breit, vierzehn Kilometer lang. Das Jandía-Massiv fällt steil hinter dem Strand ab, fast wie eine Kulisse aus einem anderen Zeitalter. Vor einem der offene Atlantik — und der meint es an der Westküste ernst. Die Strömungen sind stark, die Wellen kräftig, das Wasser unberechenbar. Baden ist hier nicht leichtfertig zu empfehlen: Jedes Jahr ertrinken Menschen, die die Kraft des offenen Atlantiks unterschätzen. Wer schwimmt, tut das nur bei absolut ruhiger See, nah am Ufer, und nie allein.
Dabei ist der Strand zum Spazieren, zum Sitzen, zum Schauen schlicht unvergleichlich. Eine Strandwanderung nach Süden führt zum Roque del Moro — dem markanten schwarzen Lavaturm, der den südlichen Abschluss des Cofete-Strandes markiert. Nach Norden, Richtung El Islote de las Siete Viudas, wird der Strand noch einsamer. Man begegnet vielleicht einem Ziegenhirten, der in seinem Pickup die Piste abfährt und seine Herde sucht.
Das Dorf Cofete
Kurz vor dem Strand liegt das Dorf Cofete — eine Ansammlung einfacher Steinhäuser, gegründet 1823 als Landwirtschaftssiedlung. Heute leben hier fast keine ständigen Bewohner mehr, nur in den Sommermonaten und am Wochenende kommt etwas Leben in die Casitas. Das Restaurant Pepe El Faro kocht lokale Gerichte — Ziegenfleisch, frischen Fisch, kanarische Hausmannskost. Es ist einfach, manchmal überlaufen von Tagestouristen, manchmal fast leer. Wer hier isst, isst authentisch.
Neben dem Dorf liegt ein kleiner Friedhof aus dem 19. Jahrhundert, umgeben von einer niedrigen Mauer. Die Gräber sind grösstenteils unmarkiert. Eine schwarze Steintafel am Eingang nennt die Namen der Verstorbenen. Das letzte Begräbnis fand 1956 statt. Wer hier steht, versteht, wie abgelegen und hart das Leben in Cofete einmal war.
Die Villa Winter
Auf einem Hang oberhalb des Dorfes thront die Villa Winter — zweistöckig, mit rundem Turm, Innenhof und meterdicken Wänden. Gebaut 1937 vom deutschen Ingenieur Gustav Winter, der 1915 nach Spanien ausgewandert war und ab den 1930er Jahren auf Fuerteventura lebte und arbeitete. Die Architektur erinnert eher an den Schwarzwald als an die Kanaren — Krokodilsköpfe als Wasserspeier, Türen mit dem eingravierten Buchstaben W, eine Bauweise die mehr nach Festung als nach Ferienhaus aussieht.
Was die Villa Winter wirklich war und wozu sie diente — das weiss niemand genau, und das ist vielleicht ihr grösstes Kapital. Die Spekulationen reichen von einem geheimen U-Boot-Stützpunkt der Nazis über einen Zufluchtsort für ranghohe NS-Funktionäre bis zu unterirdischen Tunneln, die mit dem Meer verbunden sein sollen. Seriöse Recherchen deutscher und spanischer Journalisten haben keine dieser Theorien beweisen — aber auch keine widerlegen können. Heute ist die Villa ein kleines privat geführtes Museum, dienstags bis sonntags von 10 bis 14 Uhr und 15 bis 17 Uhr geöffnet, Besichtigung gegen ein kleines Trinkgeld.
Roque del Islote
Direkt vor dem Dorf liegt im Meer ein markanter Felsen: der Roque del Islote. Er prägt die gesamte Szenerie des Strandes vor dem Ort — ein natürlicher Fixpunkt in der endlosen Weite des Atlantiks. Je nach Licht und Tageszeit wirkt er mal wuchtig, mal fast schwebend. Zusammen mit dem Strand und dem Jandía-Massiv im Hintergrund ist er das ikonische Bild von Cofete.
Nach Süden — Roque del Moro
Vom Parkplatz aus lässt sich der Küstenstreifen nach Süden durchwandern, zum Roque del Moro — dem schwarzen Lavaturm am südlichen Strandende. Rund 9 Kilometer Hin- und Rückweg, ca. 3 Stunden, leicht. Alle Details auf unserer Strandseite Roque del Moro.
Nach Norden — Richtung Barlovento
Wer vom Dorf nach Norden geht, betritt einen der einsamsten Küstenstreifen der Insel. Schon wenige Minuten hinter dem Ort gibt es keine Gebäude mehr, keine Orientierungspunkte, keine Menschen. Die Küstenlinie zieht sich endlos nach Norden — flach, weit, fast surreal in ihrer Leere. Der Wind ist hier oft am stärksten, weil keinerlei Schutz vorhanden ist. Der Sand wechselt zwischen fein und gröber.
Am äussersten nördlichen Ende, jenseits von ein bis zwei Stunden Fussmarsch, liegt die Playa de Barlovento — noch leerer und noch rauer als Cofete selbst. Je nach Bedingungen können sich dort kurzzeitig wilde Sandbankformationen und Lagunen bilden — keine ruhigen Badebuchten, sondern unberechenbare Wasserformationen. Wer so weit geht, kalkuliert den Rückweg ein: Wind von vorne, weicher Sand, kein Empfang. Ausreichend Wasser mitbringen ist keine Empfehlung sondern Notwendigkeit.
Cofete als Tagestour
Wer die Gegend mit dem eigenen Fahrzeug erleben will: Die Cofete-Tour von Insider Fuerteventura verbindet Strand, Roque del Islote, Dorf und Villa Winter in einer Tour. Details auf unserer Tour & Ausflugs-Seite.
Anfahrt
Die Abfahrt zur Playa de Cofete zweigt von der Westküstenpiste ab, rund 10 Kilometer ab Morro Jable. Die Schotterpiste führt in mehreren Serpentinen über einen Bergpass — an der Passhöhe öffnet sich einer der schönsten Ausblicke der Insel: auf der einen Seite das Jandía-Massiv, auf der anderen der vierzehn Kilometer lange Strand und das offene Meer. Von hier noch ein paar Kilometer hinunter bis zum Parkplatz neben dem alten Friedhof. Gesamtfahrtzeit ab Morro Jable: 45 bis 60 Minuten.
Ein Geländewagen ist klar im Vorteil, aber kein absolutes Muss. Mit normalem Mietwagen und Vorsicht ist die Piste fahrbar. Die Mietwagenversicherung greift auf Schotterpisten meist nicht — das Risiko liegt beim Fahrer. Wer nicht selbst fahren will: Zweimal täglich fährt ein Bus (Linie 111) von Morro Jable nach Cofete, Abfahrten um 10 und 14 Uhr, Rückfahrt um 12:30 und 16:30 Uhr.
Praktisches
Lage: Westküste Jandía · Naturpark Jandía · Gemeinde Pájara
Strandlänge: Ca. 14 km
Anfahrt Auto: Schotterpiste ab Morro Jable · ca. 45–60 Min. · Serpentinen über Bergpass
Bus: Linie 111 ab Morro Jable · 2x täglich · 10:00 und 14:00 Uhr · Rückfahrt 12:30 und 16:30 Uhr
Parken: Grosser Parkplatz neben dem Friedhof am Dorfeingang
Baden: Nicht empfohlen · starke Strömungen · hohe Wellen · kein Rettungsdienst
Infrastruktur: Keine am Strand · Restaurant im Dorf Cofete (Pepe El Faro)
Villa Winter: Besichtigung Di–So 10–14 Uhr und 15–17 Uhr · kleines Trinkgeld
Wanderung Süd: Zum Roque del Moro · ca. 9 km Hin/Rückweg · 3 Std.
Wanderung Nord: Richtung Barlovento · offen, kein Empfang · Wasser mitnehmen
Tour: Cofete-Tour von Insider Fuerteventura · Details auf unserer Tourseite
Kombination: Roque del Moro · Playa de los Ojos · Faro de Jandía · Punta Pesebre
Notruf: 112 — Empfang eingeschränkt, offline Karte empfohlen
Insider Fuerteventura · Stand Mai 2026